Frau nimmt via Tablet an Webinar teil
Webinare haben oft ein dichtes Programm und möchten möglichst viel in kurzer Zeit den Teilnehmer:innen vermitteln. Dafür ist eine durchdachte Struktur und ein gutes Zeitmanagement notwendig.
Wir zeigen Ihnen, die Vorteile von moderierten Webinaren, worauf im Unterschied zu Präsenzveranstaltungen besonders zu achten ist, was eine gute Moderation ausmacht – und geben Tipps für alle die sich in ihrer Moderationsrolle noch ein bisschen unsicher fühlen.

Was ist der Vorteil von Moderation?

Gute Moderator:innen sind:

  • strukturgebend
    Eine Moderation spannt den Rahmen eines Webinars. Sie stellt das Thema und die Expert:innen vor, gibt einen Überblick über den Ablauf, achtet auf das Zeitmanagement und sichert den vom Auftraggeber geplanten Verlauf. Damit ist gemeint, dass zum richtigen Zeitpunkt die Einspieler, gestartet, Umfragen und deren Ergebnisse präsentiert, Fragen aus dem Chat entgegengenommen werden, weitere Webinare/Folgeveranstaltungen angekündigt werden, usw. Die Expert:innen können sich ganz auf ihre Inhalte und ihren Vortrag konzentrieren.
  • unterstützend
    Oft haben die eingeladenen Expert:innen keine Routine vor einer Kamera zu sprechen, sondern sind es gewohnt vor Live-Publikum aufzutreten. Während man vor Publikum das Aufmerksamkeitslevel im Raum spürt und auch spontane Reaktionen, gibt die Kamera im Studio oder im Remote-Setting nichts davon preis.
    Moderator:innen stellen in diesem Fall eine Art Publikumsersatz dar. Sie können direkt angesprochen werden und bieten einen Ankerpunkt – ein Lächeln an dem sich Expert:innen anhalten können. Und sie können auch als Gradmesser fungieren, ob der Vortrag noch spannend ist.
  • coachend
    Die Expert:innen und Vortragenden kommen aus den verschiedensten Themenbereichen, sind unterschiedlich routiniert vor der Kamera zu sprechen und dementsprechend nervös oder cool. Oft stehen sie alleine im Studio, beleuchtet von unzähligen Scheinwerfern, dürfen nicht wie von Präsenzveranstaltungen gewöhnt, im Raum herumspazieren und fühlen sich dadurch verunsichert.
    Moderator:innen können – mit Hilfe ihrer Routine – vorab Tipps geben: Wie steht man richtig vor einer Kamera? Wohin soll sich der Blick richten? Wie können Publikumsfragen aus dem Chat gehandhabt werden oder wie behält man bei etwaigen technischen Schwierigkeiten die notwendige Ruhe?
  • dialogorientiert
    Ein Studiosetting mit einer oder mehreren Expert:innen im Gespräch mit einer Moderatorin/einem Moderator fördert einen angenehmen und „bekömmlichen“ Wissenstransfer. Der Vortrag/die Diskussion wirkt kurzweiliger, lebendiger und strukturierter.
  • nachfragend
    Ein weiterer Vorteil eines moderierten Gesprächs ist, dass vertiefende Fragen zum richtigen Zeitpunkt gestellt werden können oder wenn notwendig eingehakt/gebremst wird, wenn der Vortrag auszuufern erscheint. Eine Moderation kann nachdrücklich fragen, wenn es zu kompliziert wird und somit für mehr Klarheit und Verständnis sorgen. Sie kann Fragen aus dem Publikum weitergeben und wenn notwendig eigene Fragen vorbereiten, sollten diese aus dem Publikum ausbleiben oder nur zögerlich kommen. Insgesamt trägt sie dazu bei, dass der rote Faden eines Webinars erhalten bleibt.
  • verbindend
    Ein virtuelles Setting unterscheidet sich von einem Präsenzsetting: Die Vortragenden und die Teilnehmer:innen sind nicht an einem gemeinsamen Ort. Eine Moderation kümmert sich um die Bedürfnisse des Publikums während des Webinars, bündelt Fragen und achtet auf ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Expert:innen und Teilnehmer:innen.
  • würdigend
    Eine Moderation hat darüber hinaus den Vorteil, dass sie den Akteur:innen vor der Kamera eine wertschätzende Bühne bereitet. Sie unterstreicht deren Stärken und Verdienste, lässt die Expert:innen glänzen – und nicht sich selbst!

Wann kann auf Moderation verzichtet werden?

Im Grunde gilt: Jedes Webinar ist unterhaltsamer, strukturierter – kurzum professioneller – wenn es moderiert wird.

Dennoch gibt es einzelne Ausnahmen, zum Beispiel bei sehr kleinen Webinaren.
Nehmen wirklich nur wenige Teilnehmer:innen teil, ca. 5 bis 10 Personen, dann ist eine Moderation oft nicht notwendig. Generell empfiehlt sich dennoch eine Agenda und Ziele festzulegen, was genau besprochen oder behandelt werden soll und welche Ergebnisse erwartet werden.

Wie unterscheidet sich Online- von Offline-Moderation?

Der virtuelle Raum stellt andere Anforderungen an Moderator:innen als eine Veranstaltung vor Live-Publikum.

Unterschied #1: Die Atmosphäre
Eine Herausforderung ist sich auf die geänderte Atmosphäre einer Online-Veranstaltung einzustellen. Die Teilnehmer:innen schalten sich aus unterschiedlichen Orten, eventuell auch verschiedenen Zeitzonen zum Webinar zu. Die Moderation muss also eine Brücke zwischen der vortragenden Person und den einzelnen Teilnehmer:innen bauen, um somit ein kollektives Gefühl im virtuellen Raum zu ermöglichen.

Unterschied #2: Die Vernetzung
Um alle Teilnehmer:innen mit an Bord zu holen sollte kurz vor Start des Webinars ein kleines Warm-Up stattfinden. Auch danach sollte es die Möglichkeit zur Vernetzung geben, um den informellen Austausch, der sich oft natürlich bei Präsenzveranstaltungen ergibt, auszugleichen.

Unterschied #3: Die Kamera
Moderator:innen von Online-Veranstaltungen müssen genug Routine vor der Kamera mitbringen – in einem Studiosetting oder remote. Der Bildausschnitt – vor allem remote – ist viel begrenzter als bei einer Präsenzveranstaltung und somit auch die Körpersprache erheblich reduziert. Die Gestik fällt oft weg und Kommunikation findet hauptsächlich über die Augen, die Stimme und die Mimik statt. Dieser Begrenzung kann aber auch entgegengetreten werden: Das Webinar kann auch stehend moderiert werden und ein Bildausschnitt gewählt werden, der die Person von Kopf bis Bauchnabel zeigt. So gewinnen Moderator:innen ungemein an Präsenz und Wirkung.

Unterschied #4: Die Interaktion
Da die Aufmerksamkeitsspanne bei Webinaren erfahrungsgemäß schneller abnimmt, sollten genügend Momente der Interaktion geschaffen werden und ein passender Methodenmix – abgestimmt auf das jeweilige Thema – angewendet werden (➝ Linktipp: Dauer und zeitlicher Ablauf eines Webinars).

Bei Webinaren sollte daher auch genug Augenmerk auf Visualisierung gelegt werden. Die gängigen Webinarplattformen bieten unterschiedliche Möglichkeiten beispielsweise das Einspielen von Powerpoint-Präsentationen, die Nutzung von Whiteboards oder das Teilen von Bildern.

Unterschied #5: Die Technik

© webinarfabrik

Ähnlich wie bei Präsenzveranstaltungen muss die Moderation die zeitliche Begrenzung der Online-Veranstaltung im Auge behalten. Je nach Größe der Veranstaltung kann es sein, dass Moderator:innen auch technische Aufgaben übernehmen. Das bedeutet, dass die Moderation auch technische Kenntnisse mitbringen muss, damit beispielsweise die Übertragung nicht abrupt beendet wird, sollte die vorgegebene Zeit etwas überschritten werden.

Moderator:innen sollten auch einen Überblick über die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Webinarplattformen und deren Grenzen haben. Das ist zum Beispiel wichtig, um zu Planen, wie die Teilnehmer:innen ins Webinar einbezogen werden können – durch interaktive Tools wie Breakout-Rooms, Chats, Whiteboards oder Umfragen.

Unterschied #6: Das Problemsolving
Auch auf eventuelle technische Schwierigkeiten sollten Moderator:innen vorbereitet sein, damit sie gelassen darauf reagieren können und die Zeit bis diese gelöst sind routiniert überbrücken können. Idealerweise sind die Moderator:innen nicht allein für die technische Umsetzung eines Webinars zuständig sondern können sich auf ein Team verlassen (➝ Linktipps: Ihr Webinar-Dreamteam, Chatredaktion).

Tipps für Moderations-Neulinge und angehende Profis

1: Sehr gut vorbereiten

Gute Vorbereitung ist das Um und Auf eines gelungenen Webinars. Moderator:innen müssen über den Ablauf des Webinars Bescheid wissen, welche Expert:innen zu Gast sind, wie deren Namen und zentrale Begrifflichkeiten ausgesprochen werden, wer das Webinar beauftragt hat und wer dessen Zielgruppe ist. Der Moderationstext sollte nicht von Karten abgelesen werden sondern frei vorgetragen – gestützt durch eventuelle Stichwörter.
Viel üben und eine Generalprobe sowie ein Technik-Check vor dem Webinar sollten zum Pflichtprogramm vor jedem Webinar gehören.

2: Spontanität mitbringen
Auch bei Webinaren läuft nicht immer alles nach Plan. Expert:innen kommen zum Beispiel zu spät ins Studio oder haben eine schlechte Internetverbindung. Auf solch Unvorhergesehenes sollte routiniert reagiert werden und die notwendige Offenheit für verschiedene Szenarien mitgebracht werden.

3. Expert:innen glänzen lassen

Ganz wichtig ist, dass Moderator:innen auch als solche auftreten und dezent agieren. Als Moderator:innen haben sie die Gastgeberfunktion und die Expert:innen stehen im „Rampenlicht“.

4. Auf Interaktion wertlegen

Im virtuellen Raum lässt sich nicht immer klar sagen, ob die Aufmerksamkeit der Teilnehmer:innen noch gegeben ist oder nicht. Auch werden Online-Events oft und gern nebenbei konsumiert. Gute Moderator:innen fassen zwischendurch das Vorgetragene zusammen und suchen immer wieder gezielt die Verbindung zum Publikum – durch Umfragen, Stimmungsbilder, o.ä.

5. Technisches Know-How aneignen
Um Webinare souverän moderieren zu können ist es auch wichtig, ein Basiswissen über deren technische Umsetzung zu haben. Moderator:innen kommunizieren zu Beginn oft die technischen Rahmenbedingungen/Netiquette: zum Beispiel, dass alle die nicht am Wort sind die Mikrofone ausschalten, dass es die Möglichkeit gibt Fragen in den Chat zu schreiben, an wen sich die Teilnehmer:innen bei technischen Schwierigkeiten wenden können, usw.

Das bedeutet nicht zwingend, dass die Moderation auch für die technische Umsetzung verantwortlich ist. Im Idealfall kann sie sich auf ein eingespieltes Team im Hintergrund verlassen.

6. Kamerapräsenz üben
Die Kamera ist im Webinar die Verbindung zum Publikum. Deshalb ist es wichtig
  • authentisch in die Kamera zu sprechen,
  • sicher und aufrecht zu stehen,
  • auf die Körpersprache zu achten,
  • passende Kleidung zu wählen (➝ Linktipp: Die richtige Kleidung für Ihr Webinar) und
  • den begrenzten Bildausschnitt im Auge zu behalten.

Kamerapräsenz lässt sich üben und es empfiehlt sich Unterstützung von Profis in Anspruch zu nehmen. Ein kleiner Reminder: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um Authentizität.

7. Ruhe bewahren

Um als Moderator:in den Überblick zu behalten ist es notwendig auch in scheinbar unübersichtlichen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Zum Beispiel wenn sich technische Schwierigkeiten bei den Webinar-Teilnehmer:innen häufen oder jemand versucht das Webinar zu stören. Auch dann gilt es freundlich und relaxt zu bleiben und deeskalierend zu handeln.

8. Humor behalten
Und zu guter Letzt: Niemals den Humor verlieren!
Professionalität und Humor schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil: Humor entstresst die moderierende Person, schafft eine Verbindung zum Publikum und entschärft mögliches Konfliktpotenzial oder technische Hoppalas. Eine gute Nachricht für alle Moderations-Grinches: Auch Humor lässt sich lernen :)

 

Herzlichen Dank auch an unsere Moderator:innen, Evelyn Vysher, Bettina Kerschbaumer, Bernhard Vosicky und Andreas Kammerzelt, für ihren Input zum Artikel. ➝ Linktipp: Alle 4 Moderator:innen im Portrait